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22.02.2012

In Tallinn ist es kalt. Damit hätte ich natürlich rechnen müssen, wenn ich mitten im Februar nach Estland reise. Allerdings ist man als Mitteleuropäer mittlerweile daran gewöhnt, dass die Winter immer milder und die Sommer immer … verregneter … werden. Hier in Tallinn liegt aber Schnee und die weißen Flocken fallen auch tagsüber recht kräftig vom Himmel. Das sieht natürlich schon auch sehr  romantisch aus. Allerdings musste ich meinen Blick bislang konzentriert auf den Boden richten. Von der Möglichkeit, Gehwege und Straßen zu räumen oder zu streuen, halten die Esten nämlich nicht viel und deshalb laufe ich eher wie ein Pinocchio durch die wunderschöne Altstadt. Die steht seit 1997 unter dem Schutz der Unesco und deshalb wurde in der Folge auch viel renoviert und saniert. Flaniert man durch die Innenstadt, ist vom real existierenden Sozialismus der einstigen Sowjetrepublik nichts übrig geblieben. Hinzu kommt, dass Tallinn letztes Jahr zur europäischen Kulturhauptstadt gekrönt wurde, was insbesondere dem Viertel am Hafen einen Bauboom beschert hat. Viele neue Gebäude sind entstanden. Zum Teil bekommen Architekturfans sogar feuchte Augen. Trotz der widrigen Wetterbedingungen kann man spüren, wie diese Stadt pulsiert. Im Sommer sind hier garantiert wahre Menschenmassen unterwegs. Dennoch merkt man immer wieder, dass man sich in einer Stadt befindet, die nur etwa 400.000 Einwohner hat und deshalb sicherlich keine  Metropole im klassischen Sinne darstellt. In vielen Gassen und Parks geht es eher gemütlich bis gemächlich zu. Die Menschen hier sind freundlich, aber nicht aufdringlich. Ich mag diese etwas kühle Zurückhaltung sehr gern.

Den Stadtkern selbst kann man an einem Tag ganz gut erkunden. Danach und dazwischen bleibt noch genug Zeit für den Besuch einiger Museen oder uriger Kneipen. Vielleicht noch ein kleiner Hinweis zum hiesigen Preisniveau. Die Kosten in Tallinn unterscheiden sich nicht wesentlich von denen in Deutschland. Natürlich kann man auch hier gut und preiswert essen, die Zeiten in denen dafür allerdings nur ein oder zwei Euro nötig waren sind allerdings definitiv vorbei.

Für mich als passionierten Fußgänger ist es allerdings ein unschätzbarer Vorteil, dass sich Tallinns Innenstadt als sehr kompaktes Gebilde darstellt. Vom Hotel aus kann man alles relativ schnell und bequem zu Fuß erreichen, so man denn auf dem glatten Untergrund einen ausgeprägten Gleichgewichtssinn sein Eigen nennt.

Besonders attraktiv dürfte ein Besuch der estnischen Hauptstadt für Fans des Mittelalters sein. Die gut erhaltene Stadtmauer und die beeindruckende Befestigungsanlage sowie die historische Bausubstanz rund um den Marktplatz lassen ein wenig Ritter-Feeling aufkommen.

So, Freunde, morgen geht es dann nochmal an die Ostseeküste, die hier direkt vor der Tür liegt. Zum Baden wird es nicht reichen, aber ein wenig auf die Wellen glotzen und den Wind um die Nase wehen lassen, ist auch mehr als schön. Nägemist! Das ist estnisch und bedeutet so viel wie: Man sieht sich.

10.02.2012

Es gibt so Momente, da frage ich mich, was eigentlich noch Alles passieren muss, bevor das Volk mal den Hintern hochbekommt. Wenn ich mir beispielsweise vor Augen halte, dass wir einen Bundespräsidenten haben, der mit uns nur noch über seine Anwälte spricht, dann würde ich ihn am liebsten persönlich aus seinem Schloss jagen. Seit Wochen höre ich von Herrn Wulff persönlich gar nichts mehr. Informationen erhalten wir von diesem selbstherrlichen Präsidenten nur über seine Pressestelle oder seine Anwälte. Wie peinlich muss es denn noch werden, bevor dieser Mann endlich seinen Hut nimmt? Wenn er schon kein Vorbild für uns als Staatsbürger ist, dann sollte er wenigstens soviel Anstand in der Hose haben und endlich zurücktreten.

Diese ignorante, selbstverliebte und von jeglichen Zweifeln befreite Amtsführung darf man indes in ganz Deutschland bewundern. Da werden Respekt und Loyalität von Menschen eingefordert, die sämtliche Grundsätze eines gesitteten Zusammenlebens mit Füßen treten. Und natürlich freuen sich immer alle über kritische Geister, über Querköpfe in den eigenen Reihen. Aber nur so lange, wie diese auch in die gleiche Richtung marschieren. Das Prinzip heißt: Du darfst gern anderer Meinung sein, so lange Du das machst, was ich will. Berühmtester Satz dieser Politikersparte, wenn man Kritik vorbringt: "Ich nehme diese Anregung sehr ernst und wir werden uns um eine Lösung bemühen!" Was nichts anderes heißt als: "Ja, schön, das wissen wir nun alle, können wir jetzt bitte wieder an MEINEN Themen weiterarbeiten."

Wir leben hier in Deutschland in einem Land mit vielen Plätzen - Allgemeinplätzen! Es gibt kaum noch Führungskräfte, die deutlich sagen, was sie eigentlich wollen. Man könnte sie schließlich später darauf festnageln. Deshalb heißt es immer wieder: "Ja, wir kümmern uns. Wir nehmen uns dieses Problems an. Wir werden das noch einmal diskutieren. Wir nehmen das mit in die nächsten Beratungen." Und was man nur noch selten zu hören bekommt: "Ihr Anliegen ist nachvollziehbar, aber im Moment sehen wir die Notwendigkeit noch nicht als gegeben an."

Als Bürger sollen wir respektvoll mit unserem Bundespräsidenten umgehen. Ich fordere Sie auf, Herr Wulff, verdienen Sie sich diesen Respekt durch moralische Integrität und eine gefestigte Unabhängigkeit von jeglichem Wirtschaftslobbyismus. Legen Sie endlich die Karten auf den Tisch und hören Sie verdammt nochmal auf, mich für blöd zu verkaufen.

Und was ich im Großen fordere, würde ich im Kleinen gern sehen...

30.01.2012

"minu nimi on dominik" - das ist estnisch und bedeutet: "Mein Name ist Dominik". Warum ich das hier schreibe? Ganz einfach, wenn ich ab Ende Februar in Tallinn weile, kann es nicht schaden, die ersten Redewendungen schon einmal drauf zu haben. Bislang habe ich sehr viel Gutes und Interessantes über die estnische Hauptstadt gehört. Neue Eindrücke, neue Erlebnisse - das kann ich gerade im Moment sehr gut gebrauchen. Und deshalb freue ich mich schon auf das Baltikum. Wie es weiter geht? Keine Ahnung! Das Leben schreibt seine eigenen Geschichten.  

27.01.2012

Hoffnung ... Schmerz ... Verzweiflung ... und am Ende bleibt nur Schweigen ...

23.01.2012

Freunde, ich weiß, es ist ziemlich kurzfristig, aber es geht um den guten Zweck! Am Montag, dem 30.01.2012, um 20 Uhr, werde ich im Stettiner Hof in Helmstedt eine kleine Benefizlesung veranstalten. Musik werde ich auch noch organisieren, irgendwie. Der Eintritt ist frei! Allerdings sollen an diesem Abend jede Menge Spenden für die Familie des kleinen Adrian gesammelt werden. Siehe den Link hier! Ich würde mich super freuen, wenn möglichst viele von euch vorbeikommen würden. Textwünsche nehme ich gern entgegen :-)

http://www.fuer-adrian.de

16.01.2012

Endlich! Nach monatelanger Durststrecke habe ich heute zum ersten Mal wieder einen Text geschrieben. Okay, ist bislang nur eine Rohfassung, aber die ist schon mal nicht schlecht. Die Geschichte möchte ich bei einem Wettbewerb einreichen. Mal schauen, was dabei herauskommt. Viel wichtiger ist aber jetzt, dass ich wieder in die Tasten haue und neues Material produziere :-)

Probleme habe ich im Moment in erster Linie mit dem Finanzamt, einer Behörde, die offensichtlich keinen blassen Schimmer hat, wie es auf dem Buchmarkt aussieht und mit welchen Schwierigkeiten ein kleiner Verlag zu kämpfen hat. Ich hatte keine andere Chance und musste nun auch einen Steuerberater engagieren. Haltet mich für blöd, aber ich wusste zum Schluss nicht mehr, was diese Finanzbeamten eigentlich von mir wollen. Gefordert wurden immer neue Anlagen und Aufstellungen. Und zum Schluss kam ich einen Bescheid mit einer satten Nachforderung für 2010. Na Prima! Es wundert mich nicht mehr, wenn viele kleinere Unternehmen einfach aufgeben und die Geschäfte für immer ruhen lassen. Komisch nur, dass Steuerprüfungen bei Großunternehmen und Konzernen kaum durchgeführt werden. Ich weiß, klingt wie das Gebrabbel vom Stammtisch, aber ich habe es jetzt als Verlagschef zum ersten Mal hautnah miterlebt, wie auf die Kleinen eingedroschen wird.

Offensichtlich interessiert es das Finanzamt nicht die Bohne, dass ich als Verleger auch jede Menge Arbeitsplätze sichere. Grafiker, Buchhändler, Drucker ... um nur einige zu nennen. Wisst ihr was, liebe Finanzbeamte: Kauft doch einfach mal alle zwei bis drei Bücher des wunderbaren Blaulicht Verlags. Ihr tut damit etwas für eure Bildung und stärkt gleichzeitig meine Gewinnerzielung. Das nennt man dann Win-Win-Situation :-)

04.01.2012

Ich könnte jetzt an dieser Stelle der wahrscheinlich 128. Mensch sein, der euch allen ein gesundes, erfolgreiches neues Jahr wünscht. Allerdings geht mir das selbst so ziemlich auf den Geist und deshalb verzichte ich darauf.

Der Jahreswechsel ist ohnehin so ein seltsames Ereignis. Plötzlich ist Partystimmung angesagt und die meisten Menschen glauben, dass jetzt ein Neuanfang möglich ist. Ich frage mich dann meist, weshalb man dafür ein bestimmtes Datum braucht. Für einen Neuanfang ist der 02.05. genauso geeignet wie der 01.01. Aber was rege ich mich auf. :-)

Ich habe die letzte Woche auf der Insel Usedom verbracht. Mit netten Menschen um mich herum, interessanten Gesprächen und vielversprechenden Kontakten. Im Sommer könnte veranstaltungstechnisch so Einiges auf der Sonneninsel laufen, wo ich meine Finger mit im Spiel habe. Ich bin gespannt.

Interessant war die Silvesternacht vor allem für mich als stillen Beobachter der Szenerie. Viele Fragen stelle ich mir noch immer. Weshalb zünden die Polen in Swinemünde ihr Feuerwerk bereits einige Minuten vor Mitternacht? Wieso zündet man einen Rucksack voller Pyrotechnik ausgerechnet in den Dünen, wenn ein paar Meter weiter ein menschenleerer Strand wartet? Weshalb sind viele Leute im Urlaub so unentspannt und nörgelig? Und wie verdammt nochmal schaffen es die Polen Playstation 3-Spiele zu kopieren?

Ihr seht, auch im neuen Jahr gibt es viele Fragen zu klären. Also immer schön neugierig bleiben und regelmäßig hier vorbeischauen. Vielleicht finde ich die eine oder andere Antwort.

29.12.2011

Das war doch mal ein ungewöhnlicher Geburtstag! Ich glaube, ich habe noch niemals zuvor so viele Glückwünsche erhalten, wie in diesem Jahr. Es lebe das social network! Das ist einerseits natürlich sehr, sehr spannend und ich habe mich auch riesig darüber gefreut, dass derart viele Menschen an mich gedacht haben. Nur in einigen speziellen Fällen war ich schon verwundert darüber, auf welchem Wege mir gratuliert wurde. Wenn Menschen mir elektronische E-Cards schicken, denen ich immer handgeschriebene Zeilen überreicht habe, dann weiß man einfach, welchen Stellenwert man bei diesen Personen noch hat. Es geht nicht mal um irgendwelche Geschenke oder dergleichen. Es geht schlichtweg darum, wieviel Mühe hinter dieser Art des Glückwunsches steckt. Völlig normal ist diese Form, wenn man Freunden und Bekannten zeigen möchte, dass man an sie denkt und alles Gute wünscht. Bei Menschen, die mir am Herzen liegen, wähle ich grundsätzlich und immer eine persönlichere Art, meinen Glückwunsch zu übermitteln. Eine E-Card zu schicken, käme niemals in Frage. Aber da findet wohl ein jeder Mensch seinen eigenen Weg. Traurig nur, wenn es sich dabei um Menschen handelt, die stets ihre Moral und ihre Prinzipien als goldenes Schild vor sich hergetragen haben. Die Zeit und die Umstände zeigen dann oft, dass Alles nur Fassade und Kulisse war.

Der Jahresabschluss mit dem Poetry Slam in Borken war wieder einmal ein echtes Highlight. Es ist einfach unglaublich, was die Leute von der Midlife Company da auf die Beine stellen. Als Poetry Slammer fühlt man sich einfach nur wohl. Mittlerweile habe ich dort auch viele gute Bekannte und Freunde. Das Wiedersehen war auch ein Grund dafür, dass ich die Veranstaltung als sehr rund empfand. Herzliche Grüße an dieser Stelle an Ulrike und Mona. Ich war super froh, euch mal wiedergetroffen zu haben.

Bleibt mir nur noch, euch allen einen unfallfreien und amüsanten Rutsch ins neue Jahr zu wünschen. Nehmt euch nicht zu viel vor! Die großen Ziele erreicht man meist in kleinen Schritten. Ich freue mich, wenn ich euch auch im nächsten Jahr wieder regelmäßig auf diesen Seiten begrüßen darf. Bleibt gesund und spendet das Geld für die Knaller und Raketen lieber für etwas Sinnvolles. In diesem Sinne: FROHES NEUES JAHR!!!

22.12.2011

Zwei Tage vor Heiligabend gab es für mich schon die Bescherung, denn zwei tolle Nachrichten flatterten ins Haus. Die erste E-Mail kam vom Eulenspiegel-Verlag, der mich erneut mit einem Text in eine Anthologie aufnehmen wird. Thema ist das teilweise kuriose Verhältnis zwischen Großeltern, Eltern und Enkeln. Ja, ich weiß, ein perfektes Heimspiel für mich! Meine Geschichte überzeugte denn auch die Lektorin und so darf ich mich jetzt auf das kommende Frühjahr freuen, wenn die Anthologie erscheinen wird.

Die zweite Nachricht ist allerdings mindestens genauso sensationell! Mein Debütroman "Black Taxi" wird ins Englische übersetzt und dann endlich auch in Irland zu haben sein. Yeah, welche Freude! Dabei spielten wieder einmal so viele Zufälle eine Rolle, dass ich mich in meinem Gefühl bestätigt sehe, dass dieser Roman ganz eng mit meinem Schicksal verknüpft ist. Auch fünf Jahre nach seinem Erscheinen passieren immer noch so wundersame Dinge, dass ich oft kopfschüttelnd dastehe.

An dieser Stelle bleibt nichts mehr, als euch Allen ein tolles Weihnachtsfest zu wünschen. Ich hoffe, ihr überlebt diesen Wahnsinn ohne große Hektik und Stress. Es ist Zeit, mal wieder in sich zu gehen und die Ruhe zu genießen. Lasst es euch gut gehen und bleibt gesund!

18.12.2011

Das Jahr neigt sich dem Ende und das ist für viele Menschen die Zeit, in der sie ein Fazit ziehen. Ich bekenne das ganz offen, 2011 war nicht unbedingt mein Jahr. Es gab schon wesentlich Bessere. Aber ausgerechnet in den letzten Zügen scheinen sich doch noch sehr viele positive Entwicklungen abzuzeichnen. Ich habe ein sehr, sehr interessantes Angebot erhalten. Dafür müsste ich aber nicht nur Helmstedt sondern gleich Deutschland verlassen. Ich werde mir über die Feiertage die Zeit nehmen, darüber nachzudenken. Ausführlich.

Gestern waren wir im Universum-Kino in Braunschweig und ich möchte an dieser Stelle mal wieder einen kleinen Filmtip abgeben: "Cheyenne - this must be place" mit dem großartig aufspielenden Sean Penn ist ein absolut sehenswerter Streifen. Also wer seinen Hintern hochbekommt und nicht die 1000. Castingshow in der Glotze konsumieren will, dem möchte ich empfehlen, ins Kino zu gehen und sich diese Hommage an alternde Rockstars anzusehen.

Freitag war ich nach langer Abstinenz mal wieder in Magdeburg zum Slam. Nette Kollegen, ein großartiges Publikum und ein abgefahrener Glufke als Moderator haben diesen Ausflug zu einem großen Spaß werden lassen. Nach einer schon sehr unterhaltsamen ersten Runde, wurden in der Zweiten die Texte getauscht und ab da wurde es richtig spaßig. Andreas Weber zog meinen Text und ich hatte bei seiner Interpretation wahrhaftig Tränen in den Augen. Das war einfach gut. Besser machte es jedoch Thomas Jurisch, der seinen Lostext unglaublich durch den Kakao zog und das Publikum teilweise ausrasten ließ.

Heute Abend fahre ich ganz spontan nach Halle. Der Turm ist immer wieder ein Erlebnis und ich hoffe, dass ich gegen die gute Konkurrenz nicht völlig untergehe. Also ruhig ein wenig die Daumen drücken.   

11.12.2011

Man sollte in einer emotional aufgewühlten Stimmung besser nicht irgendwelche News-Einträge verfassen, aber ich werde es trotzdem versuchen. Ist schon erstaunlich, dass es Situationen gibt, in denen ich es einfach nicht schaffe, die innere Ruhe zu bewahren. Bei der gestrigen Wohnzimmerlesebühne sagte mir eine Frau, dass sie es faszinierend finde, welch innere Ruhe ich ausstrahle. Diese Einschätzung hörte ich tatsächlich nicht zum ersten Mal. Und wenn ich ganz ehrlich bin, würde ich sogar behaupten, dass dies meistens auf mich zutrifft. Aber in seltenen Fällen schaffen es Menschen, die mir sehr nahe stehen, immer wieder die richtigen Knöpfe zu drücken, so dass ich aus meiner Komfortzone heraustreten muss und dann wird es ungemütlich. Für mich und für mein Gegenüber. Es geht dabei weniger darum, die Diskussion zu gewinnen, sondern vielmehr darum, sie zu beenden. Jetzt muss ich schon wieder lächeln, weil ich selbst merke, dass ich mich an dieser Stelle wiederhole. Und ja, dann sollte man die entsprechenden Konsequenzen ziehen. Das übernimmt aber sehr oft einfach das Leben für uns. Es rollt und rollt einfach weiter, während wir verzweifelt nach hinten schauen, uns den Kopf verrenken, nur um zu sehen, was nicht wiederkommen wird. Darum lasst uns die Gegenwart gestalten und das Jetzt genießen. "Denn glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist!"

Einige sehr ereignisreiche Tage liegen hinter mir. Am Donnerstag war ich als "Stargast" beim Bremer Lagerhaus Slam eingeladen. Einer der traditionsreichsten Slams dieses Landes. Rund 30 Minuten durfte ich einen kleinen Einblick in meine Texte gewähren. Die Zuhörer waren aufmerksam, kritisch und spendeten viel Beifall. Das hat mir wirklich großen Spaß gemacht, vor allem deshalb, weil man in dieser Zeit tatsächlich eine sehr große Bandbreite darstellen kann.

Einen Tag später fand die Book Release Party der Anthologie "Etwas ist faul im Staate" in der Hannoveraner Faust Warenannahme statt. Ein sehr würdiger Rahmen, befindet sich die Location doch in Linden, dem wohl politischsten und alternativsten Stadtteil Hannovers. Rund 90 Besucher lauschten den unterschiedlichsten Beiträgen von einigen namhaften Vertretern der Lesebühnen- und Poetry Slam Szene. Als Fazit bleibt nur festzuhalten, dass das Ganze ein rundherum gelungene Sache war. Vielen Dank an dieser Stelle an die Hannoveraner, meinen Autorenkollegen Tobias Kunze, Johanna Wack, Kersten Flenter und Michael Feindler und nicht zuletzt dem Orga-Chef Henning Chadde, der leider kurzfristig ins Krankenhaus musste. Allerdings aus einem sehr schönen Grund - Henning wird nämlich Papa.

Gestern folgte dann die zweite Ausgabe der Helmstedter Wohnzimmerlesebühne. Wieder ausverkauft, wieder eine großartige Stimmung, wieder verrückte Fragen und ebensolche Antworten. Das Konzept geht auf und ich freue mich, dass wir einmal im Monat in einem intimen Rahmen großartige Künstler genießen können. Wer auch mal dabei sein möchte: Die Veranstaltung wird nicht öffentlich beworben. Es gibt eine Gruppe auf Facebook (Street Poetry Helmstedt) und den Newsletter der Veranstaltungsreihe. Man sollte mir demnach mindestens eine Mail schreiben und sich in den Verteiler aufnehmen lassen. Es lohnt sich auf jeden Fall. Die gestrige Ausgabe mit den Riverport Pilots und Jan Hemdrik Heyne hat strahlende Gesichter zurückgelassen.

Heute war dann Ruhetag angesagt. Eine Radtour mit meinem Sohn und ... na lassen wir das. Das Leben geht weiter und am Ende zählen nicht nur unsere schlechten Taten sondern auch die guten Absichten.

05.12.2011

Zurück aus der Schweiz! Zwei ereignisreiche Tage waren das und ich muss sagen, ich habe dieses Land und die Leute in mein Herz geschlossen. Ich kenne nun wirklich einige Poetry Slammer aus der Schweiz und empfand deren Charakter schon immer als sehr angenehm und warmherzig. Das muss ja aber nie zwingend für alle anderen Landsleute gelten. Mag auch sein, dass ein so kurzer Einblick nicht wirklich geeignet ist, um ein Urteil fällen zu können. Ist mir aber egal, weil ich es so empfunden habe. Sowohl in St. Gallen als auch in Zürich waren die Menschen sehr höflich und strahlten eine innere Zufriedenheit aus. Ich denke schon, dass es einen gewissen Schweizer Charakter gibt, der sich in den meisten Einwohner widerspiegelt. Die Leute dort waren auf angenehme Art und Weise zurückhaltend. Um es deutlich zu sagen: es fanden sich einfach nicht so viele Lautsprecher auf der Straße wie in Deutschland. Mir kam diese bescheidene und ruhige Lebensart sehr entgegen.

Allerdings sah ich in Zürich ein Spektakel, dass mich doch etwas irritiert hat. Da sprangen Menschen in Badeklamotten und Nikolausmütze auf dem Kopf in die Limmat (Fluss durch Zürich) und schwammen unter dem Jubel einiger Schaulustiger hinüber zum anderen Ufer. Kann man mal machen, aber es war der 4. Dezember und die Außentemperatur betrug ca. 7 Grad Celsius. Leider erfuhr ich nicht, was es mit dieser Aktion auf sich hatte.

Zürich ist an sich ein ganz nettes Städtchen, wobei mir die Altstadt zwischen Limmat und Eidgenössischer Hochschule mit ihren kleinen verwinkelten Gassen am besten gefallen hat. St.Gallen ist kleiner aber durchaus gemütlicher. Die Innenstadt ist wunderschön. Das Kloster St. Gallus gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO und die dazugehörige Stiftsbibliothek raubte mir den Atem. Eine alte barocke Bücherei mit unzähligen originalen Handschriften, die teilweise mehr als 800 Jahre auf dem Buckel haben.

Der Poetry Slam selbst, deshalb war ich schließlich in der Schweiz :-), wurde bestens organisiert, toll moderiert und wartete mit einem phantastischen Publikum auf. Das wurde am Ende zwar etwas müde, bescherte aber dennoch der besten Poetin des Abends, Hazel Brugger, den Sieg. Ich durfte einen schönen zweiten Platz mit nach Hause nehmen und freute mich einfach.

Im Dezember stehen jetzt noch einige wichtige und aufregende Termine auf der AGENDA. Okay, ist teilweise stressig, aber es ist Vorweihnachtszeit und ich bin einfach auch in der Verpflichtung, meine Publikationen zu promoten. Deshalb: Kauft meine Bücher und erfreut euch an den strahlenden Gesichtern der Beschenkten!!! :-)  

01.12.2011

Und plötzlich ist schon wieder Dezember. Keine Ahnung, ob das am Alter liegt, aber mir scheint die Zeit immer schneller davon zu fliegen. Die Jahre gehen ins Land und fühlen sich an wie Monate oder Quartale. Obwohl die Zeit eine feste Konstante ist, fühlt sie sich doch immer unterschiedlich an. Manchmal schleppen sich Sekunden und Minuten nur so dahin und an anderen Tagen verfliegen die Stunden wie in einem einzigen Rausch. 

Gestern war ich Teilnehmer beim 1. Poetry Slam in Stendal. Das Ganze fand in einer entweihten Kirche statt. Der Publikumszuspruch war gut, ließ aber noch Luft nach oben zu. Was immer wieder schön zu registrieren ist: Die Begeisterung bei Menschen, die das Format Poetry Slam noch nicht kannten. Als Slammer spürt man die Faszination, die sich dort im Auditorium ausbreitet. Spätestens bei den Gesprächen nach dem Slam stellt man dann fest, dass die Leute wirklich gut unterhalten wurden. Hat Spaß gemacht! Viele Grüße an dieser Stelle an das Stendaler Publikum.

Heute Mittag habe ich einmal mehr gemerkt, dass mich Distanzlosigkeit bei Menschen wirklich aggressiv macht. Es gibt Zeitgenossen, die meinen, an der Kasse fast in den Mantelkragen des Vordermannes kriechen zu müssen. Ich finde, einen gewissen Abstand sollte man zu seinen Mitmenschen einfach einhalten. Es ist eine Art Einbruch in meine Intimsphäre, wenn die Leute mir spürbar in den Nacken hauchen oder ihren dicken Bauch an meinem Rücken reiben. Man mag das für übertrieben halten, aber ich finde es respektlos. 

Am Wochenende geht es in die Schweiz!!! Ich freue mich darauf!  

23.11.2011

Viele Dinge werden nicht besser oder anders, wenn sie immer und immer wieder ausdiskutiert werden. Manche Menschen haben sich so viel Vergangenheit in den Rucksack gepackt, dass sie im Hier und Jetzt kaum noch vorwärts kommen. Im Grunde ist das Leben eine Festplatte. In regelmäßigen Abständen sollte man altes Zeug löschen, um Platz für Neues zu schaffen.

21.11.2011

Es ist natürlich unangenehm, wenn man ungerecht behandelt wird und als Blitzableiter für den persönlichen Frust und die eigene Unzufriedenheit von anderen Menschen missbraucht wird. Noch schlimmer sind jedoch die Fälle, wo man sich ehrenamtlich engagiert, etwas Gutes bewirken möchte oder sehr viel Herzblut investiert, ohne auf das eigene Konto oder die eigene Gesundheit zu schauen. In den letzten Wochen ist mir die zweite Variante einige Male untergekommen. Ich gebe es zu, das sind dann so Augenblicke wo man sich denkt: "Toll, dann soll doch ein anderer den Scheiß machen und sich Arschtritte abholen". Andererseits ist es natürlich ein Fakt, dass auf einen solchen Miesmacher und Querulanten unzählige Menschen kommen, die es wertschätzen, was man da so veranstaltet und organisiert. Deshalb die klare Ansage an die ganzen Honks da draußen, die meinen, sie könnten meine Arbeit und mein Engagement diskreditieren: Geht wieder zurück in den Sandkasten und bewerft euch mit Förmchen! Oder noch besser: Kriegt doch mal selbst den Allerwertesten hoch! Ende der Durchsage.

In Wolfsburg haben wir eine sehr schöne Veranstaltung hingezaubert. Ein Dankeschön an dieser Stelle an Uwe Nüstedt und sein Team, die mit vollem Körpereinsatz dafür gesorgt haben, dass der Rahmen festlich und gemütlich war. Soweit ein Bibliothekssaal das eben hergibt. Die Besucher waren sehr, sehr aufmerksam und interessiert. Das Schönste waren jedoch die interessanten Gespräche nach der Veranstaltung. Ich bin mir sicher, dass die Wolfsburger diese Art von Live-Literatur gern öfter sehen möchten. Schauen wir mal :-)

Ansonsten möchte ich darauf hinweisen, dass Weihnachten vor der Tür steht. Nein, ihr sollt jetzt nicht losrennen und Spekulatius oder Lebkuchen kaufen, sondern euch mal überlegen, ob nicht ein gutes Buch als Geschenk viel Freude machen würde. Ich empfehle ganz unvoreingenommen die Publikationen des Blaulicht Verlags. Einfach mal unter www.blaulicht-verlag.com schauen, ob nicht das passende Thema für eure Liebsten dabei ist. Ich würde mich freuen und ihr würdet einen Kleinverlag unterstützen, der abseits vom Mainstream unbekannteren Autoren eine Veröffentlichungschance bietet.

14.11.2011

Wenn man in einer Sache zum zweiten Mal scheitert, muss man sich die Frage gefallen lassen, ob man aus dem ersten Mal nichts gelernt hat. Ich für meinen Teil habe aus dem ersten Mal gelernt und es beim zweiten Mal vielleicht nicht besser aber zumindest anders gemacht. Und ich war überzeugt davon, auf dem richtigen Weg zu sein. Leider war ich ganz allein mit dieser Meinung. Jetzt stehe ich wieder an dem Punkt, der mich vor ein paar Wochen schon einmal viele Nerven und viel Kraft gekostet hat. Selbst schuld! Höre ich mich sagen und glaube es trotzdem nicht. Das einzig Positive: Ich weiß jetzt schon, dass es weiter geht. Mit ein paar Träumen und Hoffnungen weniger im Gepäck. Weiter...

Am Freitag fand der letzte Braunschweiger Poetry Slam dieser Saison statt. Ich hatte mir für die Moderation einen originellen roten Faden ausgedacht und denke, das hat auch ganz gut hingehauen. Das Niveau war sehr gut und mit Till Reiners hatten wir einen phantastischen Featured Poet.

Im November habe ich wenige Termine angenommen und deshalb freue ich mich jetzt auf den morgigen Auftritt bei den Hannoveraner Nachtbarden. Eine sehr coole und angesagte Lesebühne, wo ich die Ehre habe, den Kollegen Kersten Flenter zu vertreten. Freitag bin ich dann Teil der Spoken Word Gala in der Wolfsburger Stadtbibliothek. Mit dabei noch Frank Klötgen, Josefine Berkholz und Jan Egge Seddelies. Oha, das wird ein Spektakel! Und danach habe ich frei ...  

05.11.2011

Ich gebe es zu, in den letzten Tagen bin ich dann doch zunehmend skeptischer geworden, was die Wohnzimmerlesebühne angeht. Aber, es wurde ein toller, gemütlicher, unterhaltsamer Abend in familiärer Atmosphäre. Ich denke, das Konzept ist aufgegangen und auch die Besucher waren sehr zufrieden. Für viele mag es ungewohnt sein, aber ich mag es, wenn keine Bühne die Künstler von den Zuhörern trennt. So kam es immer wieder zu lustigen Zwischenrufen und spontanen Zwiegesprächen. Ich bin gespannt, wie das Ganze wirkt, wenn beim nächsten Mal erstmals Musiker mitwirken werden. Eins darf ich aber jetzt schon feststellen: Die Helmstedter sind sehr offen und experimentierfreudig. Mag sein, dass es andernorts auch leicht ist, neue Formate zu etablieren, aber ich bin wirklich froh, dass mir das Helmstedter Publikum mittlerweile einen großen Vertrauenvorschuss gewährt.

30.10.2011

Meine Güte, was für ein unglaubliches Wochenende!!! Der 10. Street Poetry Abend mit 270 Menschen im ausverkauften Roxy-Kino war einmal mehr ein Spektakel, das nur schwer in Worte zu fassen ist. Traumhafte Musik und atemberaubende Wortakrobaten verzauberten die Besucher. Nach über 3 Stunden blickte ich glückliche Gesichter und wusste wieder einmal, warum ich mein ganzes Herzblut in diese Veranstaltung stecke.

Einen Tag später stieg im Kulturzentrum Hallenbad die Premiere des Wolfsburger Poetry Slams. Patrick Schmitz und meine Wenigkeit hatten ein grandioses Lineup zusammengestellt und die Poeten zeigten auf der Bühne dann auch, was Live-Literatur mit Menschen anstellen kann. Ich will es mal so ausdrücken: Der Slam-Virus dürfte auch die Wolfsburger erfasst haben. 250 Besucher wohnten der Veranstaltung bei und spätestens nach den gefühlvollen Songs des jungen Till Seifert war das Eis gebrochen. In der Folge wurde applaudiert und gejohlt, wie es sich bei einem anständigen Slam gehört.

Die Messlatte liegt nach diesem Wochenende einfach sehr hoch. Daran werden wir uns auch bei den kommenden Veranstaltungen messen lassen müssen. Nun denn: Packen wir es an!

24.10.2011

Zurück von den Nationals 2011. Ich hätte mir für meine letzten Deutschsprachigen Meisterschaften schon gern gewünscht, dass es mal für das Halbfinale reichen würde. Und es war ja auch knapp, verdammt knapp. Fast 45 Punkte und damit circa 9 Punkte im Schnitt zog die Jury für meinen Beitrag. Ich war mir eigentlich sicher, dass es diesmal reichen müsste. Aber es kam alles ganz anders. Nur wie sagte Felix Römer so treffend: Man lernt durch das Scheitern, nicht durch das Siegen." Recht hat er. Ist aber auch ausgeschieden, der gute Mann :-)

Jetzt ist es an der Zeit wieder nach vorn zu schauen. Der Oktober hält noch zwei spannende Termine bereit. Die 10. Ausgabe des Street Poetry Abends und die 1. Ausgabe des Wolfsburger Poetry Slams. Phantastische Künstler kommen in unsere Region und ich freue mich einfach nur, dass es wieder zwei tolle Abende geben wird. Wenn die Menschen dann mit einem breiten Lächeln die Locations verlassen, hat man wahrscheinlich mehr erreicht, als eine persönliche Qualifikation in irgendeinem Wettbewerb.

Eine weitere gute Nachricht gibt es noch: Bartels schreibt wieder. Ich arbeite an verschiedenen Texten und bin mal gespannt, was da letztlich so herauskommt.

17.10.2011

Gestern durfte ich in einer Nachricht folgendes lesen: "Ich mag die Texte von Sträter einfach deshalb lieber, weil man bei Deinen Texten immer mitdenken muss." Ist das nicht ein großartiges Kompliment? So lange die Menschen erkennen, dass in meinen Zeilen oft mehr steckt als nur einfacher Humor, so lange mache ich vieles richtig. Es ist meine Art zu schreiben. Lachen? Ja, bitte! Aber trotzdem möchte ich eine Message loswerden. Gesellschaftskritik in ein humoristisches Gewand zu kleiden, das könnte ich als Anspruch durchaus formulieren.

Die Lesung mit Torsten Sträter und dem musikalischen Gast Ulf Hartmann war einfach großartig. Die Bücherei war voller Menschen und die Stimmung ausgelassen. Ich bin einfach stolz auf dieses Helmstedter Publikum, dass die Künstler immer wieder wie glamouröse Rockstars feiert. Die Energie, die sie Richtung Bühne schicken, kommt wieder zurück und genau deshalb werden diese Abende so besonders.

Das erhoffe ich mir natürlich auch von der 10. Ausgabe des Street Poetry Abends, die seit gut zwei Wochen komplett ausverkauft ist. Das wird noch einmal ein riesiger Kraftakt für mich. Ich merke dann doch langsam, dass keine Schultern mehr da sind, auf die ich die eine oder andere Arbeit verteilen könnte. Wenn der Oktober vorbei ist, werde ich wohl erstmal Ruhe brauchen. Ach nee, geht ja nicht - Anfang November steht die erste Wohnzimmerlesebühnen-Ausgabe ins Haus. Aber das wird gemütlich. 35 Menschen in meinem Wohnzimmer. Und dazu Überraschungsgäste, die ich mir eingeladen habe. Das wird gemütlich und schön.

Diese Woche starte ich dann zum voraussichtlich letzten Mal bei den Deutschsprachigen Meisterschaften des Poetry Slam. Nach Hamburg geht es in diesem Jahr. Und wie immer, ist bereits die Vorrunde unglaublich stark besetzt. Ich werde ganz locker bleiben, mein Bestes geben und mal schauen, was am Ende dabei herauskommt. Im Grunde kann es, was die Platzierungen angeht, ja eigentlich nur aufwärts gehen :-)

Und die letzte gute Nachricht: Die Erstauflage der Anthologie "Etwas ist faul im Staate" ist nach 3 Wochen ausverkauft. Damit hätte ich überhaupt nicht gerechnet. Nachbestellung ist bereits raus. Wer also noch zuschlagen möchte, der schreibe mich an!

09.10.2011

Nun ist es passiert - Der Moderatoren-Staffelstab in Braunschweig ist von Herrn Roland Kremer in meine Hände gewandert. Am Freitag durfte ich dann das erste Mal ganz "offiziell" eine Poetry Slam Veranstaltung in Braunschweig moderieren. Und dann gleich das "Best of" im Roten Saal. Na gut, so ganz unbekannt ist mir das Ganze natürlich nicht und die auftretenden Slammer kannte ich auch alle mehr oder weniger gut. Trotzdem müssen sich Publikum und neuer Moderator erst ein wenig aneinander gewöhnen. Immerhin hat Roland die Veranstaltung über 10 Jahre geprägt. Ich denke, einen Vergleich muss und sollte man nicht anstellen. Meine Moderation ist weder besser noch schlechter, sie ist schlicht anders. Und wie immer im Leben wird es Menschen geben, denen die Veränderung nicht gefällt. Allen anderen möchte ich an dieser Stelle zurufen: Lasst uns gemeinsam Spaß haben und viele, viele tolle Poetry Slams in Braunschweig feiern. Ich freue mich auf die neue Aufgabe!

06.10.2011

In schwierigen Zeiten sollten wir nicht vergessen, dass Glück unkalkulierbar ist. Schon der nächste Augenblick kann unser Leben verändern.

Zuweilen ertappe ich mich dabei, dass ich auf bestimmte Entwicklungen oder Ereignisse in meinem Leben warte. Dann sitze ich zu Hause und lenke mich mit allerlei Beschäftigungen ab. Und warte. Warten kann grausam sein und lähmen. Warten ist verschenkte Lebenszeit, von der wir ohnehin nicht wissen, wie großzügig sie bemessen ist. Warten und Hoffen sind Brüder im Geiste. Sie klauen uns Energie  lassen uns im Dunkeln sitzen, wo draußen die Sonne scheint und das Leben pulsiert.

Du sagst: Hab Geduld! Mein Herz antwortet Dir: Ich bin immer noch hier, aber ich warte nicht mehr.

28.09.2011

Es ist schon eine Tatsache, dass man zuweilen Phasen erlebt, wo jede einzelne Stunde des Tages mühselig erkämpft werden muss. Morgens wacht man auf und fragt sich, warum man sich diesen ganzen Kram eigentlich immer wieder antut. Da wird schon das Zähneputzen zu einer Herkulesaufgabe. Das Kuriose an diesen Tagen ist der Umstand, dass ich meist abends joggen gehe und dies als sehr befreiend und angenehm empfinde. Die Gedanken fliegen, der Kopf wird leer und einige wichtige Erkenntnisse brechen durch den Nebel der Alltäglichkeit. Und dann blinzele ich in die Sonne und denke: Yeah, verdammt, das Leben ist doch im Grunde wie eine beschissene Berg- und Talbahn. Immer auf dem Gipfel zu sitzen, wäre höchst ungesund. Als Mensch musst Du die Tiefen ausloten, um die Höhen würdigen zu können. Im Grunde gilt für das Leben der einfache Grundsatz:

Das Kämpfen ermüdet, das Aufgeben tötet.

22.09.2011

Das Herz gibt keine Ratschläge, es erteilt Befehle.

20.09.2011

Man sieht es fast täglich im Fernsehen, hört es auf der Straße oder in Gesprächen mit Freunden und Kollegen: Das Phänomen, dass viele Leute meinen, sich über andere Menschen stellen zu können. In solchen Momenten verweisen sie auf die geringe Schulbildung, die offensichtliche Blödheit oder die allgemeine Unfähigkeit der von ihnen abqualifizierten Personen. Mich regt so etwas wirklich auf. Und zwar aus einem einzigen Grund: In den aller seltensten Fällen können die selbsternannten Herrenmenschen etwas für ihren Bildungsgrad oder ihre Fähigkeiten. Sicherlich, sie haben sich eventuell durch Fleiß oder starken Willen besondere Dinge angeeignet oder sich diese erarbeitet. Aber wer gab ihnen denn das dafür notwendige Rüstzeug mit auf den Weg? Mutter Natur durch die Genetik, die Eltern durch ihre Erziehung, die Lehrer durch ihre Beharrlichkeit!

Nun ist es aber ein Fakt, dass nicht jeder Mensch mit den gleichen Anlagen zur Welt kommt. Als Gesellschaft müssen wir also damit leben, dass unsere Mitglieder unterschiedlich sind. Nicht alle können Wissenschaftler werden und nicht alle sind zum geschickten Handwerker geboren. Natürlich kann man auch die Schwächeren bis zu einem gewissen Grade fördern, aber irgendwo ist eben Ende der Fahnenstange. Das muss und sollte man einfach akzeptieren. Humanismus bedeutet, dass man den Menschen mit all seinen Schwächen und Stärken wertschätzt. Die Verteilung ist bei uns allen höchst unterschiedlich angelegt. Jedem hochnäsigen Banker sollte man einfach mal vor Augen führen, dass minimale Abweichungen in seiner Genetik dafür hätten sorgen können, dass er nicht mal 1 und 1 zusammenzählen kann. Vieles was er als Investmentbanker erreicht hat, ist schlichtweg einer glücklichen Fügung des Schicksals, einer guten Laune der Natur und nichts weiter geschuldet.

Man kann das sehr gut mit einem Werkzeugkasten vergleichen. Sicherlich kann man Menschen erklären, wie man eine Schraube in das Holz versenkt, wenn man ihnen aber keinen Schraubendreher an die Hand gibt, wird das Ganze sehr schwierig. Manche finden andere Lösungen, wieder andere sitzen aber da und verfügen ganz einfach nicht über das notwendige Werkzeug, um die gestellten Aufgaben des Lebens zu absolvieren. Und dann stehen die Jungs und Mädels aus den "besseren Häusern" daneben und fangen an, mit den von ihren Eltern gekauften goldenen Schraubendrehern in der Hand, zu lästern. Ja, wie blöd sind diese Unterschichtler denn, kriegen nicht mal eine Schraube in die Wand.

Mit dem sprichwörtlichen Schraubendreher in der Hand läßt es sich leicht über andere Menschen spotten. Nur sollte man sich immer selbst fragen, woher man den Schraubendreher bekommen hat. Selbst hergestellt haben ihn nur die wenigsten ... er war halt einfach vorhanden. Eben!

Wenn wir das nächste Mal über irgendwelche "Idioten" herziehen und uns besser fühlen wollen, weil wir ja ach so schlau und intelligent sind, sollten wir einmal darüber nachdenken, ob unsere Intelligenz nicht einfach nur reine Glückssache war und nicht die verurteilen, die einfach ein wenig mehr Pech hatten. 

13.09.2011

Es gibt Dinge, die kann ich wirklich richtig gut. Zum Beispiel: mir selbst im Weg stehen. Oft genug sehe ich ganz klar vor mir, was zu tun ist und wie ich reagieren müsste. Aber dann ist mir das zu einfach und ich nehme schnell einen Umweg, auf dem ich mich dann wieder verlaufe und letztlich ganz woanders ankomme. Das sollte sich aber ändern lassen.

Einige Male habe ich es schon anklingen lassen, nun ist es aber auch beschlossene Sache: Im nächsten Jahr werde ich mich auf den Poetry Slam-Bühnen dieses Landes rar machen. Das hat persönliche Gründe und auch künstlerische. 2012 möchte ich meinen dritten Roman schreiben. Die Konzeption steht bereits. Einige Recherchen sind noch notwendig. Aber dann soll es endlich losgehen. Es gibt Kollegen, die schreiben so ein Buch mal eben nebenbei. Das kann ich nicht. Und will es auch nicht. Ich möchte mich darauf konzentrieren und ein möglichst perfektes Buch abliefern. Zumindest so perfekt, wie ich es schaffen kann.

Hinzu kommt die Tatsache, dass ich neben der Moderation des Street Poetry Abends in Helmstedt und des Poetry Slams in Wolfsburg zukünftig auch den Braunschweiger Slam moderieren werde. Herr Kremer hat das Mikro an den berühmten Nagel gehangen und ich freue mich wie Bolle, dass Patrick Schmitz mich für die Nachfolge vorgesehen hat. Das bedeutet aber auch, dass ich von der Poetry Slam-Front immer weiter in die rückwärtigen strategischen Linien wechsele. Das ist gut und richtig so. Junge Leute rücken nach und ich bin lange genug dabei, um mal so langsam Platz zu machen.

Aber keine Bange, ich werde auch weiterhin noch Texte schreiben (wahrscheinlich sogar wieder mehr) und auf Bühnen stehen, wenn sie nicht zu weit von meinem Heimatort entfernt sind. Ich bin müde, was elend lange Fahrten mit der Bahn angeht. 4 Stunden Zugfahrt, um irgendwo 5 Minuten etwas vorzutragen - das habe ich jetzt lange genug gemacht. Ich möchte mich wieder mehr um mich und die Menschen um mich herum kümmern. Da ist in den letzten 3 Jahren sehr viel schief gelaufen.

So gesehen werde meine Vorsätze für´s neue Jahr nicht nur sehr konkret sondern auch sehr ambitioniert. Aber ohne Ziele ist der Mensch nur ein Sklave der Zeit.  

05.09.2011

Es gibt so Momente im Leben, da fühlt man sich inmitten einer riesigen Menschenmenge auf gewisse Art einsam. Ich spüre deutlich, dass es mich ermüdet, immer wieder von vorn anfangen zu müssen. Hermann Hesse schrieb einmal "jedem Anfang wohnt ein Zauber inne". Das kann ich nur bedingt nachvollziehen. Mit zunehmendem Lebensalter weiß man, dass jeder Neuanfang vor allem eins ist: ein langer Weg. Wenn ich beispielsweise doch nochmal den Hintern hochbekomme und wegziehe, dann fange ich irgendwo ganz von vorne an. Das bedeutet natürlich in erster Linie die Chance auf einen kompletten Neuanfang ohne irgendwelche Altlasten. Es bedeutet aber auch, gewachsene Strukturen und viele soziale Kontakte zu verlieren. Ein zweischneidiges Schwert. Ein Dilemma für jemanden, der gezwungen ist, neu anzufangen, ohne auf Altes verzichten zu wollen.

Manchmal wünsche ich mir eine ENTF-Taste für das eigene Leben. Was soll man mit Erinnerungen schon anfangen, die einfach nur schmerzen? Ich wünsche mir gelegentlich, ich wäre bestimmten Menschen niemals begegnet. Nicht immer fällt die Bilanz positiv aus, wenn man auf vergangene Zeiten zurückblickt. Und es gibt so Tage, da sagt man sich: Wenn ich nochmal von vorne beginnen dürfte, dann würde ich es nicht anders oder besser machen, ich würde es einfach lassen! 

31.08.2011

Till Seifert singt "Es bist nicht Du, die mir fehlt. Es ist die Person von vor einem Jahr." Das beschreibt in der Tat ein Phänomen, dem man sich nur schwer entziehen kann. Wir vermissen bestimmte Situationen, spezielle Orte und intensive Momente, die wir mit jemandem geteilt haben. Nur existiert das Meiste davon nur in unserer Erinnerung. Was zählt, sind einzig und allein die Menschen, die just in diesem Moment bei uns sind. Menschen, mit denen wir reden, lachen, weinen und genießen können. Mit denen wir das Leben gestalten können, dass vor unseren Haustüren auf uns wartet.

Ich habe keine Lust mehr im Konjunktiv zu denken und zu fühlen. Was wäre wenn? Oder, wie würde es wohl sein, wenn? Es ist nicht! Leben spielt nur im Hier und Jetzt. Das Leben kennt keine Konjunktivsätze. Oft genug malt man sich vergangene Zeiten rosarot an, werden Beziehungen in der Retrospektive zur einzig wahren Liebe gekürt. Das Alles hindert uns nur daran, das Leben als das zu nehmen, was es tatsächlich ist: ein einziger steter Fluss von Ereignissen, Begegnungen und Erfahrungen. Menschen kommen und gehen. Manchmal sitzt man für eine gewisse Zeit im selben Boot, doch garantiert das nicht, dass man die Reise auch gemeinsam beendet.

Manche Menschen leben ausschließlich in der Vergangenheit, ihre Seele ernährt sich von Erinnerungen. In der Gegenwart funktionieren sie zwar, aber Gefühle entwickeln sie nur für längst gewesene Zeiten. Sie hängen an den alten Bekanntschaften wie lästige Kletten, nicht bereit zu verstehen, dass Vorwärtsgehen auch immer Zurücklassen bedeutet. Und so sitzen sie dann da, vergöttern ihre erste große Liebe und bleiben doch immer allein.

28.08.2011

"Es zählt nicht, was ein Mann getan hat, sondern was er hofft, zu tun." - diesen Satz habe ich gestern im Kino gehört und fand ihn großartig. Ist es nicht viel zu oft im Leben so, dass wir nach den Ergebnissen beurteilt werden? Selten bis überhaupt nicht wird das Bemühen gewürdigt oder honoriert. Unsere Gesellschaft ist darauf programmiert, das bestimmte Ziele erreicht werden müssen. Alles andere bedeutet Versagen. Und dies setzt sich im zwischenmenschlichen Bereich fort. Der gute Wille, etwas richtig machen zu wollen, interessiert nicht. Man wird an dem gemessen, was man tatsächlich erreicht hat. Das kann in der Liebe manchmal verschwindend wenig sein, weil Gefühle nichts mit Leistung zu tun haben. Wir schauen uns an und werfen uns gegenseitig vor, wer wann, was und wo falsch gemacht hat. Wir zählen unsere Verletzungen auf, als wären wir zwei alte Kriegsveteranen aus dem Weltkrieg. Und dabei vergessen wir zu schnell, dass hinter mancher Wunde eine durchaus gute Absicht steckte. Nur irgendwann, auf dem Weg, verlor man die Orientierung und machte Fehler, die letztlich dazu führten, dass das Ergebnis ein Desaster wurde.

Wenn wir Menschen begegnen, ist das oft genug einfach dem Zufall geschuldet. Nach einer Trennung glauben wir aber zuweilen, dass wir den einzigen Menschen verloren haben, der uns jemals verstanden hat. In einer ruhigen Minute sollte man sich einfach mal überlegen, dass es nur weniger, kleinerer Unwägbarkeiten bedurft hätte und wir wären diesem Menschen überhaupt niemals begegnet. Unser Leben wäre anders verlaufen, sicher, und vielleicht sogar noch glücklicher oder entspannter. Wer weiß das schon? Was aber sicher ist: Die nächste zufällige Begegnung kommt bestimmt und wer weiß, welche Wendung das Leben diesmal nimmt ...

23.08.2011

Da draußen geht gerade die Welt unter. Unwetterwarnung für den gesamten Landkreis Helmstedt. Genauso fühle ich mich gerade. Ich könnte ein kräftiges Gewitter gebrauchen, dass Erinnerungen, Emotionen und die ständige Grübelei einfach wegspült. Ein reinigendes Unwetter. Und danach käme die klare Luft und die Zeit des Neubeginns würde anbrechen. Wahrscheinlich ist es im Leben nicht anders. Ab und zu ziehen diese Gewitter auf und spülen jede Menge Zeug weg, dass schon viel zu lange auf der Seele gelegen hat. Im Moment schaue ich mit bangem Blick auf das, was da draußen passiert. Ein wenig hilflos ist man dem ganzen Chaos schon ausgesetzt. Wie im richtigen Leben halt. In den letzten Wochen habe ich aber sehr viel über mich gelernt, vor allem auch, mich selbst wertzuschätzen. Jeder Konflikt braucht mindestens zwei Parteien. Ist natürlich bequem und einfach, sich selbst nicht zu hinterfragen und alles einem anderen Umstand oder Menschen zuzuschieben. Aber so einfach ist die Welt nicht. Es liegt wohl in der Natur des Menschen, dass positive Eigenschaften als Selbstverständlichkeit hingenommen werden, während man sich an den Defiziten reibt. Aber was passiert wohl, wenn man einem Menschen nur seine Defizite nachträgt, wenn sie immer und immer wieder nur dazu dienen, in Diskussionen die Oberhand zu behalten. Ganz einfach: Man wird blind. Blind für die eigenen Schwächen. Und man wird bequem. Doch wie so oft im Leben kommt das dicke Ende zum Schluss. Die Erkenntnis schleicht sich langsam ins Bewusstsein. Nur ist es dann oft zu spät. Die Kinder sind aus dem Haus, das Leben ist gelebt. Was für ein Trost ist es dann, fest daran zu glauben, dass man selbst immer richtig gehandelt habe und man nur an den Unzulänglichkeiten der anderen Menschen gescheitert ist? Und ganz am Ende stellt man dann vielleicht eines fest: Die Menschen, die wirklich unsere Nähe gesucht haben, brauchen sie jetzt nicht mehr!

22.08.2011

"Ar ball, gheoamid radharc, aghaidh go h´aghaidh" RIP.

19.08.2011

Und dann kommen diese Tage, an denen ich erkenne, wie klein ich wirklich bin und wie groß alles um mich herum. Konfrontiert mit der Ignoranz des Lebens stehe ich dann da und frage mich, worum es letztlich wirklich geht. Das Problem ist, dass ich scheinbar nichts festhalten kann, weil alles im Fluss und in Bewegung ist. Schnell, schneller, zu schnell für mich. Was bleibt tatsächlich? Erinnerungen? Erfahrungen? Nein, es bleibt die Erkenntnis, dass man jeden verdammten Tag wieder von vorne anfängt. Vielleicht sind manche Menschen deshalb besonders glücklich, weil sie die Welt viel kleiner machen als sie tatsächlich ist. Vielleicht ist der Blick über den Tellerrand weniger Segen denn Fluch. Was erkennen und sehen wir schon? Im Grunde, dass die große, weite Welt nur aus ganz vielen kleinen Welten besteht. Und dass die Unterschiede weit weniger eklatant sind, wie wir uns immer eingeredet haben. Letztlich rennen wir alle dem Glück hinterher ... manche barfuss und andere mit den neuesten Sportschuhen. In den meisten Fällen erkennen wir aber das Glück nicht mal, wenn es uns gegenüber sitzt. So geht es mir jedenfalls. Und dann wache ich auf und frage mich, wieso fange ich eigentlich schon wieder ganz von vorne an ...

10.08.2011

Stolz ist eine unberechenbare Charaktereigenschaft. In vielen Lebenssituationen schützt sie uns vor Erniedrigung oder Demütigung. Stolze Menschen lassen sich wenig gefallen, gehen stur ihren Weg und es fällt ihnen schwer, den eigenen Standpunkt um eines Kompromiss willens einfach mal aufzugeben. Auf dem Lebensweg lassen wir viele Menschen einfach stehen, weil sie unsere Position hinterfragen oder uns in unangenehmer Weise den Spiegel vorhalten. Extrem wird das Ganze, wenn zwei sehr stolze Menschen aufeinandertreffen. Sie schenken sich nichts, verletzen sich ein ums andere Mal und halten ihr jeweiliges Handeln für moralisch gerechtfertigt. Jede Schwäche des Gegenübers wird ausgenutzt, um das eigene Ego aufzuwerten. Stolz verleitet dazu, Machtkämpfe auszutragen. Ich denke, dass weniger Stolz und dafür mehr Selbstachtung und Respekt gesünder wären. Nur nützen solcherlei Weisheiten wenig, wenn sie in der Lebenswirklichkeit nicht umgesetzt werden. Am Schluss bleibt dann nur eins: ein stolzer Mensch, der einsam am Ende des Weges steht.

07.08.2011

An dieser Stelle ein herzlicher Gruß, verbunden mit einem großen Dankeschön an die Strandlöwen in Heringsdorf! Es ist eine große Familie, die sich in regelmäßigen Abständen bei Heidi am feinen Sandstrand der Insel Usedom trifft, um Volleyball zu spielen, zu klönen, zu grillen und einfach Spaß zu haben. Als Mitglied der Familie Bartels wurde ich nach vielen Jahren wieder herzlich aufgenommen und verlebte einige tolle Tage in meiner alten Heimat. Aufgrund anhaltender starker Hüftschmerzen war mein Einsatz beim Beachvolleyball zwar ... na sagen wir mal ... grenzwertig, dafür verwöhnte ich die liebe Strandgemeinde mit einer exklusiven Lesung zwischen den Strandkörben. Ein absolutes Highlight dieses Jahres. Das Rauschen der Ostsee, eingekuschelte Menschen mit nackten Füssen im Sand, ein vor sich hin bruzzelnder Grill und mittendrin der Dominik mit einigen seiner Texte. Das war schön. Sehr schön sogar!

Erfolgreich waren auch die Stationen am 22. und 23. Juli auf Sylt und Fehmarn. Überraschenderweise konnte ich beide Slams gewinnen und darf mich jetzt wohl als inoffizieller Inselkönig der Slam Poeten fühlen :-)

Man merkt, der Urlaub hat mir trotz der Gelenkprobleme wirklich gut getan. Der Kopf ist endlich mal wieder frei. Ich habe viele interessante Menschen kennengelernt und einige sehr, sehr tiefgehende Gespräche geführt. Mal schauen, was die nächsten Wochen bringen. Bleibt gesund und schaut mal in meinen Terminkalender. Ich habe einige neue Veranstaltungen hinzugefügt. Vielleicht bin ich bald mal in eurer Nähe. Wenn ja, dann kommt vorbei. Ich nehme euch auch in den Arm!

15.07.2011

Ich habe hier schon lange nichts mehr von mir hören lassen. Das liegt einerseits an gesundheitlichen Problemen und andererseits an der Tatsache, dass ich zur Zeit viele Baustellen zu beackern habe. Der Street Poetry-Abend ist mal wieder auf der Suche nach einem Obdach. Schon seltsam, wie wenig den Verantwortlichen bei der Stadt diese Veranstaltung wert ist. Wenn man sich vor Augen hält, dass dieses Format mittlerweile bundesweit bekannt und beliebt ist, erstaunt es doch sehr, dass ich nach wie vor gezwungen werde, bestimmte Firmen und Helfer zu beschäftigen, obwohl deren Leistung nicht den Ansprüchen genügt, die ich mir vorstelle. Im Grunde sollte ich doch auswählen dürfen, wer bestimmte Arbeiten erledigt, schließlich bezahle ich die ganze Choose auch. Der mir vorgelegte Vertragsentwurf darf getrost als Unverschämtheit bezeichnet werden. Und weil das so ist, beginnt nun die Suche nach einer neuen Location. Ich bin zuversichtlich, dass das auch gelingen wird.

26.06.2011

Es gibt Phasen im Leben, da möchte ich die Augen schließen und einfach in meiner kleinen Welt bleiben. Nichts hören und nichts sehen von dem ganzen Mist da draußen. Und dann frage ich mich, wie hoch das Tempo noch werden kann, bevor wir alle völlig durchdrehen. Jeder hat Zeit, aber niemand hat Muße. Dinge mal ruhen lassen, durchdenken, abwägen. Die Gesellschaft rast in unglaublicher Eile durch den Tag. Freizeitaktivitäten müssen kurzweilig, actionreich und vor allem filmbar sein. Informationen schießen wie Silvesterraketen in den Himmel. Explodieren kurz vor unseren Augen und wir berauschen uns für Augenblicke an den tollen Farben. Doch es geht weiter, immer weiter. Die nächste Rakete, der nächste Rausch. Wer denkt heute noch Fukushima? Wer denkt heute noch an den Dioxin-Skandal bei Eiern? Längst gibt es wieder Bio-Eier im Überfluss. Unsere Empörung hält sich in immer engeren Grenzen, hat eine immer kürzere Halbwertzeit. Früher hieß es: Nichts ist älter als die Zeitung von gestern. Heute muss es heißen: Nichts ist älter als die Facebook-Statusmeldung von heute Vormittag. Zur Ruhe kommen. Runterfahren. Augen schließen. Und stehenbleiben ...

23.06.2011

Es hört einfach nicht auf! Da kann man sich drehen und wenden, wie man will. Es hört einfach nicht auf! Ich habe das Gefühl, dass wir in diesem Land nur noch mit Statistiken, Aufstellungen und Berichten beschäftigt sind. Ein Arbeitsgang, zwei Berichte, drei statistische Erhebungen und vier Aufstellungen. Ein unglaublicher Wust an Daten wird gesammelt und ich frage mich ernsthaft, werd diesen ganzen Müll eigentlich braucht und verwerten kann. Es gibt unzählige Datenschützer, die immer wieder darauf hinweisen, dass wir ausspioniert und durchleuchtet werden. Aber wisst ihr was: Das sollen sie doch von mir aus tun! Wenn es irgendein Unternehmen interessiert, wann ich wo meine letzte Cola getrunken habe, dann sollen sie diese Information speichern, auswerten und archivieren. Heute wird alles in irgendwelchen Tabellen und Datenbanken erfasst und hochgerechnet. Nach einem Sinn fragt schon lange niemand mehr! Wichtig ist nur, dass alles genauestens erfasst wurde. Denn dann kann man ... ja, was kann man dann eigentlich ... na, dann kann man so gezielte Werbung verschicken und so! Aha. Gezielte Werbung. Wie schön. Aber wer zum Geier zwingt mich denn dazu, auf diese gezielte Werbung zu reagieren? Ich für meinen Teil entsorge sämtliche Prospekte und Broschüren immer gepflegt in den Mülleimer. Und da interessiert es mich nicht die Bohne, ob die Reklame nun genau auf mich zugeschnitten war. Sobald sich Menschen nämlich menschlich benehmen, können die Statistiker einpacken. Menschliches Verhalten ist viel zu komplex und zu anfällig, als das es sich vorherberechnen ließe. Also bitte: Füttert eure Statistiken mit meinen Daten! Ich verhalte mich trotzdem so, wie ich es will. Und deshalb kaufe ich mir jetzt einfach - nein, keine Cola - einen Saft. Ganz schön subversiv!!!

15.06.2011

Herr Obama überreicht unserer Kanzlerin Merkel die Freiheitsmedaille der USA, die höchste zivile Auszeichnung der Supermacht. Zunächst dachte ich an einen Scherz. Merkel bekommt diese Auszeichnung für ihre Rolle, die sie während der Wendezeit gespielt hat und dafür, dass sie als erste Frau Kanzlerin der BRD wurde. Was haben sich die Amerikaner denn dabei gedacht? Frau Merkel hat während der Wendezeit überhaupt nichts getan. Höchstens abgewartet. Und als es opportun erschien, da war sie auf einmal die größte Demokratin, die in Ostdeutschland jemals gesichtet wurde. Vergessen der Fakt, dass Angela stolze FDJ-Sekretärin war. Diese Frau hätte auch in der DDR politische Karriere gemacht. Ganz einfach deshalb, weil ihr Prinzipien und eine eigene Meinung völlig fremd sind. Ehrlich Leute, ich könnte einfach nur kotzen. Diese beschissene Freiheitsmedaille hätten, wenn man so einen Blechkram überhaupt braucht, die Menschen verdient, die 1989 auf der Straße gestanden haben. Auge in Auge mit der Volkspolizei und der Stasi. Und das sie eine Frau ist, dafür kann Angela ja nun am allerwenigsten. Kanzlerin ist sie deshalb geworden, weil sie das Intrigenspiel perfekt beherrscht. Im Grunde ist sie nicht mit Regieren beschäftigt, sondern mit dem Knüpfen von Verbindungen und Abhängigkeiten.

Wenn man ihr schon einen Orden überreichen muss, dann sollte es der "goldene Wendehals" sein. Nie hat ein Begriff besser auf einen Menschen gepasst.

10.06.2011

Damit hätte ich nicht unbedingt gerechnet, aber tatsächlich konnte ich den Web Slam des Fernsehsenders ARTE gewinnen. An dieser Stelle einmal ein riesiges Dankeschön an alle Menschen, die für mich gevoted haben. Gerade dieser Text liegt mir sehr am Herzen und das macht das Ganze noch etwas wertvoller. Wer möchte, kann sich das Video hier noch einmal anschauen:

 http://www.arte.tv/de/Kultur-entdecken/3730552.html 

Es sind natürlich noch andere tolle Beiträge unter den eingereichten Videos dabei. Einfach mal durchklicken und sich gut unterhalten lassen!

07.06.2011

Immer wieder bin ich erstaunt darüber, welches Missverhältnis in unserer Gesellschaft zwischen Geben und Nehmen besteht. Das uneigennütziges Engagement kaum noch Wertschätzung unter den Mitmenschen erregt, erkennt man daran, dass wir ehrenamtlich Tätige mit Medaillen und Preisen ehren müssen. Dies zeigt doch geradezu exemplarisch, dass ein normales Danke heutzutage kaum noch ausgesprochen wird. In einer Zeit der Casting-Shows und Talentsuchen geht es nur noch darum, eine möglichst attraktive Verpackung zu zeigen. Inhalte sind unwichtig geworden. Hauptsache alles glänzt, ist schön laut, bunt oder anderweitig auffällig. Demut und Bescheidenheit gehören leider nicht mehr zu den Tugenden, die gefragt sind. Da schreiben manche Leute zwei, drei gute Texte, werden auf poetry Slams gefeiert und verlieren jegliche Bodenhaftung. Erfolg macht blind und taub. Zudem verhindert fehlende Selbstkritik, dass man sich weiterentwickelt, an sich arbeitet und die eigenen Defizite erkennt. Ich für meinen Teil habe wieder einmal eine Lektion für das Leben bekommen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Auf der Südtour, die von Ko und Rayl bestens organisiert war, lernte ich dagegen gestandene Poeten kennen, die mit beiden Beinen auf dem Boden geblieben sind und denen bescheidene Erfolge nicht zu Kopf stiegen sondern ins Herz wanderten. Wenn man gelernt hat, dass der Text der Star ist und der Poet nur das Transportmittel, dann, ja dann, hat man die Chance große Zeilen zu verfassen.

01.06.2011

Stille. Absolute Stille. In meinem Kopf und in meinem Herzen. Ich bin irgendwo angekommen, wo ich nicht hingehöre. Dieses pausenlose Geplapper im Fernsehen, im Radio, in Zügen oder Fußgängerzonen macht mich unendlich müde. Es gibt zu viele Sender und zu wenige Empfänger. Immer mehr Informationen prasseln ungefiltert auf die Menschen nieder. Meinungsfreiheit bedeutet in diesem Land nicht automatisch, dass man eine Meinung hat. Meinungen werden gemacht. Sie werden verändert, verschoben, verraten und verkauft. Aber uns interessiert es nicht mehr. Informationen haben ohnehin immer geringere Halbwertszeiten. Wer denkt schon noch über Fukushima nach, wenn es EHEC gibt. Ein Bakterium zur rechten Zeit. Denn im Schatten der hysterisch herbeigeredeten Epidemie rudert die große Politik in Sachen Atomausstieg Stück für Stück zurück. Als Politiker muss man einfach nur warten können. Erfolgreich sind die, die das dickste Fell und das ausgeprägteste Sitzfleisch haben. Und man findet sie überall: Auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene, in Vereinsvorständen und Elterninitiativen. Die Lautsprecher, die sich mit hohlen Phrasen und dümmlichen Allgemeinplätzen einen der begehrten Sendeplätze gesichert haben. Es regiert das Mittelmaß. Gesteuert werden diese Marionetten von Lobbyisten und Interessenverbänden. Ich kann ihnen nicht mehr zuhören. Ich habe keine Kraft mehr, mich über ihre Lügen und ihr Dummgeschwätz aufzuregen. Die Masse ist ohnehin längst ruhig gestellt – mit Castingshows, Kochsendungen und Comedy-Formaten. Wir sitzen vor dem Fernseher und lachen uns den Schmerz aus der Seele.

Worte verändern nichts mehr. Ich spüre das immer häufiger. In einem Meer aus Gleichgültigkeit spielt eine Träne der Verzweiflung keine Rolle. Wenn das ganze Leben eine Achterbahnfahrt ist, dann haltet endlich an und lasst mich aussteigen …

23.05.2011

Am Freitag war ich zu Gast bei meinen lieben Freunden Sam und Brian (Riverportpilots), die für mich eine Sololesung in der Hildesheimer 70er Bar organisiert hatten. Und natürlich klingt es immer wie die allerletzte Plattitüde, wenn man schreibt, dass zwar nur wenige Menschen dort waren, es aber gerade deshalb unheimlich schön war. Stimmt in diesem Falle aber tatsächlich, weil ich einfach ganz entspannt Geschichten gelesen und vorgetragen habe, ohne auf irgendwelche Jurynoten schielen zu müssen. Und Sam und Brian sind ohnehin jede Reise wert, weil sie nun einmal super nette Typen sind, die man einfach gern haben muss! Viele Grüße an alle Hildesheimer, die dabei waren. Hat mir riesigen Spaß gemacht.

Einen Tag später fuhr ich nach Hannover, um mich in der Faust der Vorrundengruppe 2 der 1. Niedersächsisch/Bremischen Landesmeisterschaften im Poetry Slam zu stellen. Mit Startplatz 4 war ich nicht unbedingt in der komfortabelsten Situation, aber drei andere Poeten traf es noch härter. Ich versuchte einfach, meinen Text so gut wie möglich vorzutragen und hoffte danach einfach. Am Ende reichte es knapp, wirklich sehr knapp zum Einzug ins Finale. Ein mageres kleines Pünktchen trennte mich vom Satzsucher! Und wie das so ist, wenn es gute Freunde trifft, war meine Freunde dann doch eher verhalten.

Wie sich am Sonntag herausstellte, hatte ich mein Glück damit aber völlig aufgebraucht, denn in der riesigen und ausverkauften (1.200 Besucher !!!!) Staatsoper zu Hannover erwischte ich den völlig undankbaren 1. Startplatz. Was sich danach allerdings abspielte, werde ich in meinem Leben wohl nicht mehr vergessen. Henning und Egge heizten die Leute derart an und wiesen gekonnt auf meine chancenlose Situation hin, dass die Hannoveraner mich mit einem wahren Applausorkan auf die Bühne holten. Gänsehaut, sage ich euch, bis unter die Füße!!! Ich stellte mich dann auch brav in den Dienst der Sache und las einen humorvollen Text, der bei den Leuten auch wunderbar ankam (das lässt zumindest der eine oder andere Zwischenapplaus vermuten). Am Ende landete ich irgendwo im Mittelfeld und war dennoch stolz, meinen Braunschweiger Slam im großen Finale anständig vertreten zu haben.

Man kann es gar nicht oft genug erwähnen: Was die Hannoveraner da auf die Beine gestellt haben, war wirklich aller Ehren wert. Und deshalb noch einmal ein riesiges Dankeschön von mir an alle Helfer und Beteiligten. Eine tolle Meisterschaft war das!

Ach so!!! Einen Podestplatz habe ich dann doch noch mit nach Helmstedt gebracht. Als Mitglied der ersten Slam Poetry Bus-Pulling Nationalmannschaft erreichte ich einen 3. Platz beim Hannoveraner Bus-Ziehen-Wettbewerb. Geschlagen geben mussten wir uns lediglich irgendwelchen Türstehern, die aussahen, als zögen sie jeden Morgen an die 25 Geländewagen aus knietiefem Schlamm.

17.05.2011

Die gute Nachricht vorweg: Mein Text für die Anthologie des Eulenspiegel-Verlags ist fertig und er gefällt Herausgeber Frank Willmann ebenso gut wie der Verlagsmitarbeiterin. Zum Ende sind mir dann auch tatsächlich noch die richtigen Ideen gekommen und so bin ich mit dem Ergebnis auch sehr zufrieden. Im Herbst wird das Buch erscheinen. Ich werde hier rechtzeitig berichten, wann man das gute Stück käuflich erwerben kann.

Am Wochenende war ich quer durch Deutschland unterwegs. Freitag fand im Bochumer Museum eine Slam-Show statt. Mit dabei auch Annika Blanke, der Schriftstehler und Torsten Sträter. War ein toller Abend vor einem leider viel zu übersichtlichen Publikum. Das Highlight: Artur Fast hast an einem Grafiktablet Illustrationen von den einzelnen Poeten gefertigt. In Echtzeit während ihres Auftritts. Ein Beamer übertrug seinen Arbeitsprozess an die Wand und so konnten die Gäste zusehen, wie wahnsinnig schöne Illustrationen entstanden. Der Hammer! Mal schauen, ob ich irgendwie an mein Bild komme.

Samstag ereilte mich ein Hilferuf aus Bad Bentheim. Da Felix Römer mit seinem Auto liegengeblieben war, fehlte dem engagierten Team der Workshopleiter für die Jugendlichen im Unabhängigen Jugendhaus. Ich bin also schon etwas früher an die deutsch-holländische Grenze gereist und habe mit den unglaublich netten jungen Leuten noch etwas an der Performance gefeilt. Das hat mir riesigen Spaß gemacht und mal wieder gezeigt, dass wird durchaus noch talentierten literarischen Nachwuchs in diesem Land besitzen. Untergebracht wurden wir Slammer in einem wahnsinnig edlen Hotel mit Flachbildfernseher, riesigem Badezimmer und Balkon. Schon edel! Der Slam selbst war toll organisiert und die Moderatoren führten gekonnt durch den Wettbewerb, an dem ich allerdings nicht teilnnahm, weil ich von Felix auch gleich noch die Featured Poet-Rolle zockte :-) Insgesamt ein toller Abend, an dem das Publikum allerdings etwas müde wirkte. Mir ging es nach der Veranstaltung genauso und deshalb schaffte ich es nicht mehr, aus dem gemütlichen Bett aufzustehen, um zur After Show Party zu schlendern. Sorry an alle, die noch gewartet haben! Am nächsten Morgen frühstückte ich mit ganzen Busladungen voller Rentner in einem riesigen Speisesaal mit Blick auf das Hallenbad und die Bad Bentheimer Innenstadt. Schön ist es dort, mit kleinen Gassen und einer imposanten Burg. An dieser Stelle einfach ein Dankeschön an Thomas, Kirsten und die Workshop-Teilnehmer! Es war wirklich schön, bei euch gewesen zu sein.

Am Sonntag zeigte mir mein Sohn beim Bowling die Grenzen auf. Auch mal eine neue Erfahrung! Wenn er mich jetzt auch noch beim MauMau schlägt, muss ich mir wirklich etwas einfallen lassen ... :-)

10.05.2011

Was für ereignisreiche letzte Tage!!! Das Brunnentheater platzte am Freitag aus allen Nähten. 600 Besucher wollten sich die 9. Ausgabe des Street Poetry Abends nicht entgehen lassen. Helmstedt rockt! Soll noch einmal einer sagen, bei uns in der Provinz wäre nichts los. 4 Stunden geballtes Sprachgewitter - es war einfach nur schön und großartig.

Einen Tag später packte ich bei meinem Homeslam in Braunschweig den wirklich allerletzten Text aus, den ich dort noch nicht gelesen habe. Am Ende gab es trotz des ungünstigen zweiten Startplatzes 47 Punkte vom Publikum, was das drittbeste Ergebnis des Feldes bedeutete. Fand ich gut, vor allem weil mein Beitrag eher zur ernsteren Sorte zählte.

Ganz anders gestaltete sich meine Textauswahl dagegen beim kleinen, aber feinen Slam in Merseburg. Ich hatte mal wieder Lospech und musste als erster Slammer auf die Bühne. Es reichte dennoch für das Halbfinale, wo ich dann einfach mal 80 von 80 Punkten einheimste. Unglaublich! Im Finale stand mit Theresa Hahl gegenüber, die mit einem lyrischen Feuerwerk überzeugte. Letztlich konnte sich das Publikum nicht entscheiden und wir teilten uns den Sieg einfach. Das war gerecht und gut so!

Diese Woche bin ich beruflich ziemlich eingespannt. Daneben muss ich endlich meinen Beitrag für die Fußball-Anthologie des Eulenspiegel-Verlags fertig bekommen. So richtig vorwärts ging das bislang nicht. Deshalb heißt es jetzt: dransetzen und Gehirn ausquetschen. Liebe Muse, bitte komm vorbei und verpasse mir den entscheidenden Kuss! Das wäre im Moment wirklich sehr hilfreich.

01.05.2011

Heute ist nicht nur der Tag der Arbeit sondern auch der Welttag des Lachens. Zu lachen gab es am Wochenende genug, schließlich haben zwei adlige Popanzen sich das Ja-Wort gegeben. Angeblich hatten 2 Mrd. Menschen auf der Welt nichts anderes zu tun, als sich diese Mummenschanz im Fernsehen anzuglotzen. Leute, wollt ihr wirklich mal etwas Romantisches, Herzerweichendes, Glamouröses sehen? Dann schaut euch an, wie kleine Knirpse bei diesem Wetter ihr riesiges Eis genießen. Mit leuchtenden Augen, strahlendem Lachen und zittriger Vorfreude in den Händen stehen sie vor der Theke und warten ungeduldig bis sie endlich an der Reihe sind. Und wenn sie dann ihre Eistüte in den Händen halten, dann sind sie stolz, glücklich und zufrieden. Die kleinen, schönen Dinge kann man an jeder Straßenecke beobachten. Dazu braucht es keine Flimmerkiste und schon gar keine zwei Wichtigtuer, deren einziger Verdienst in der Gnade der Geburt besteht. Wie heißt es so treffend: Ein wahrhaft großer Mann kniet vor keinem König und zertritt keinen Wurm. Also bitte, lasst die Monarchie dort, wo sie hingehört: ins Mittelalter! 

18.04.2011

Doch, die beiden Auftritte in Braunschweig und Paderborn haben mir eine Menge Spaß gemacht. Vielleicht auch deshalb, weil ich das Ganze sehr entspannt und locker angegangen bin. Bei der Punchliner-Show in der Brunsviga war der fehlende Wettbewerb das angenehme Element. Einfach mal frei von irgendwelchen Bewertungen fünf Texte vortragen zu können, ist erfrischend und locker gewesen. In Paderborn gab es zwar einen Wettbewerb, allerdings war das Lineup derart stark besetzt, dass ich auch sehr entspannt auf die Bühne gegangen bin. Und siehe da, es reichte sogar für das Finale. Allerdings sind politische Satiren nicht so der große Renner auf Poetry Slams. Da ich den neuen Text aber so gerne mag, ziehe ich ihn trotzdem ganz oft aus der Tasche und belästige die Menschen damit :-)

Wutbürger ist ein Begriff, der mir einfach gut gefällt. Überall in Europa mehren sich die Proteste und Demonstrationen. Die Menschen nehmen einfach nicht mehr jede Entscheidung unserer "Politiker" hin. Da wird schon auch mal der Kopf bemüht und dabei festgestellt: Moment mal, die bedienen allerhöchstens ihre Klientel aus Wirtschaft und Hochadel. Willkommen in der Lebenswirklichkeit sage ich da nur! Politiker in Deutschland haben keine eigene Meinung aber dafür 15 kluge Ratgeber. Das sagte vor Jahren schon einmal Sammy Deluxe und er hatte verdammt nochmal recht. Die Leute in den Schaltzentralen der Macht sind austauschbare Marionetten. Ihre Ressorts wechseln sie genauso schnell wie wir unsere Unterwäsche. Die Berliner Kaste ist scheinbar in jedem Fachgebiet zu Hause. Gestern noch Innenminister, heute schon Chef der Landesverteidigung. Justiz oder Finanzen oder Kultur oder Familie ... ist doch egal, wichtig ist nur, dass der Ministersessel gut gepolstert und   man oft genug in den Nachrichten zu sehen ist. Es hilft alles nichts, das Volk sollte sein Schicksal wieder selbst in die Hand nehmen. Von den Abgeordneten können wir außer sinnlosen Talkshowscharmützeln nicht viel erwarten. Und so werden aus Wutbürgern am Ende vielleicht die Mutbürger.

12.04.2011

Eine tolle zweite Auflage des literarischen Zweikampfes haben wir am Freitag in der Helmstedter Stadtbücherei erlebt. Ausverkauftes Haus, großartige Stimmung und zwei Kontrahenten, die es der Jury nicht einfach machten. Die Helmstedter nehmen die Veranstaltungen der Street Poetry-Reihe unglaublich gut an. Da macht es als Organisator einfach Spaß, sich immer wieder aufs Neue reinzuhängen. Tobi Kunze und Florian Cieslik brannten ein regelrechtes Sprachfeuerwerk ab, welches nur zu oft staunende Gesichter zurückließ. Ich freue mich jetzt schon auf unser rein weibliches Duell am 14. Oktober und hoffe natürlich, dass auch an diesem Tag die Besucher in die Bücherei strömen werden.

In der heutigen Ausgabe der Braunschweiger Zeitung wurde ein Unfall thematisiert, der drei Todesopfer forderte. Wieder einmal war ein LKW am Unglück beteiligt. Nun kann man natürlich behaupten, dass wir in einer Welt leben, die darauf angewiesen ist, dass Waren von A nach B transportiert werden. Das stimmt in gewisser Weise auch. Aber eben nur in gewisser Weise. Nur zu oft erlebt man auf der A2 das Rennen der Brummies von Westeuropa nach Osteuropa und umgekehrt. Da werden Schweine aus den Niederlanden nach Polen verfrachtet, weil man sie dort billiger schlachten lassen kann. Das Fleisch wird dann weiter in die Ukraine gefahren, um es zu Wurst weiterverarbeiten zu lassen. Dann kommt es mit dem LKW wieder zurück nach Deutschland oder Frankreich, wo dieser wahnsinnige Kreislauf einen Neuanfang nimmt. Genauso verfahren die Konzerne mit anderen Dingen des täglichen oder nicht alltäglichen Bedarfs. Alles wird tausende Kilometer weit durch Europa gekurvt, weil es in irgendwelchen Ecken unseres Kontinents noch billiger oder preiswerter geht. Ein ökologisches Desaster! Ich weiß auch nicht, warum man in Deutschland Äpfel aus Neuseeland kaufen muss. Das ganze Jahr über gibt es Erdbeeren, Kiwis und andere Früchte. Manchmal fliegen wir die Sachen aus Südafrika ein, manchmal aus Südamerika. Was für ein Unsinn! Und kaum berühren die Früchte deutschen Boden, werden sie auf LKWs verladen und quer durch die Republik gefahren. Auf den Autobahnen sind tausende Tonnen von Waren unterwegs, die man genauso gut hier herstellen könnte. Dann wären sie zwar ein wenig teurer, aber man würde sich vermutlich über bessere Luft und freiere Autobahnen freuen können. Aber wir alle unterliegen dem Diktat des Kapitals. Die Richtung bestimmt der, der am billigsten anbieten kann. Egal wie, egal wer.

05.04.2011

Am letzten Freitag war ich das erste Mal auf einem Poetry Slam, der mitten im Getümmel eines Volksfestes stattfand. Sommergewinn hieß der Anlaß, Eisenach der Ort. Als hinter mir die Achterbahn vorbeiratterte und von vorne der Autoscooter hupte, da war ich echt froh, dass ich beide Texte (Vorrunde und Finale) mittlerweile fast im Schlaf aufsagen kann. Kein leichtes Terrain! Und trotzdem hatten sowohl die Zuhörer als auch die Poeten ihren Spaß. Nur unsere Lyriker gingen alle früher oder später im Lärm des Rummels und der gehobenen Stimmung unter. Meinen "gefühlten" Heimvorteil (ich habe ja mal 10 Jahre in Bad Langensalza gewohnt) konnte ich indes nicht nutzen. Im Finale war gegen die humorvollen Geschichten einer Iris Schwarz oder eines Hanz kein Kraut gewachsen. Allerdings waren auch keine Menschen aus Bad Langensalza zugegen, die mir einen Vorteil hätten verschaffen können ;-)

Ich habe meine Tageszeitung abbestellt. Der Grund ist nicht etwa der, dass ich Geld sparen möchte, sondern vielmehr die Tatsache, dass sich die Presseorgane in ihrer Gesamtheit spürbar zum Boulevard bewegen. Qualitätsjournalismus wird zunehmend zur Mangelware. Der Grund ist einfach: Geld! Chefredakteure und Verleger schauen nur noch nach den Umsatzzahlen. Gute Verkäufe bedeuten mehr Einnahmen und mehr Werbekunden. Deshalb schielen die Redaktionen immer mehr danach, was die sensationslüsterne Masse wohl zum Fraß vorgeworfen haben möchte. Politische Themen sind allenfalls noch Randnotizen. Dafür widmet man sich ganzseitig irgendwelchen Kandidaten zweifelhafter Castingshows. Und man erklärt uns, warum Heidi Klum ein weißes Kleid angezogen hat, obwohl doch Frühling ist. Spannend sind auch immer wieder die aufwändig recherchierten Hintergrundberichte über die königliche Familie in England. Es hat schon einige Male meinen Tag gerettet, als ich erfuhr, wann und wo Prinz Harry eine Fete besuchte. Auf den Lokalseiten wird dagegen jede Einweihung eines Klettergerüstes auf dem Dorfspielplatz von Klein Kleckersdorf als mediales Großereignis gefeiert. Da fragt sich der geneigte Leser immer wieder: Gibt es nichts Wichtigeres? Doch, natürlich! Aber welche Themenvielfalt bleibt schon übrig, wenn man keinem einzigen Werbekunden zu nahe treten darf? Unabhängiger Journalismus? Fehlanzeige! Im Grunde sind die meisten Tageszeitungen nur noch Werbeblätter der regionalen Konzerne. Das mag übertrieben klingen, aber so ganz falsch liege ich sicherlich nicht.

30.03.2011

Wir leben in einer Diktatur der alten Männer! Kleingartenvorstände, Sportvereine, politische Gremien, Direktorensessel, Chefposten ... wo ich auch hinschaue, überall kleben die Silberlocken auf den Bestimmerstühlen. Dabei stellt sich oft ... also sehr oft, ein Problem dar: Ältere Herren sind meistens griesgrämige, unzufriedene, nörgelige, verbohrte Besserwisser, die absolut beratungsresistent durch die Weltgeschichte rollen. Es fehlt diesem Land an Frische, an jugendlichem Elan, an Entdeckerfreuden. Das Meiste bleibt wie es ist, weil die alten Herren das schon immer so gemacht haben und sich das Ganze in der Vergangenheit schließlich auch bewährt hat. Ich kann beispielsweise einfach nicht verstehen, weshalb die Inhalte der schulischen Lehrpläne von Leuten bestimmt werden, die schon seit Jahrzehnten keine Schule mehr von innen gesehen haben. Um so höher man auf der Karriereleiter steht, desto weiter hat man sich von der Basis entfernt. Das spürt man bei vielen Entscheidungen unserer gewählten Volksvertreter. Die haben wiederum das gleiche Problem. Schaut man in den Bundestag, bekommt man das Gefühl, man wohne einer Veranstaltung der Rheuma-Liga bei. Da werden Leute als Newcomer gefeiert, die Ende 40 sind! Ende 40! Vor knapp 200 Jahren war das die maximale Lebenserwartung eines Mitteleuropäers. Heute laufen in den Landtagen und dem Bundestag Methusalems herum, die beinahe noch aktiv am zweiten Weltkrieg teilgenommen haben. Ich finde es immer wieder putzig, wenn über die Politikverdrossenheit der Jugend lamentiert wird und das die jungen Leute nicht in den Parteien sind. Leute, ihr müsstet den Teenagern und Mittzwanzigern eben auch mal Verantwortung geben. Euch geht es aber nur darum, dass sie euch abfeiern, weil ihr so toll und engagiert seid. Es würde helfen, wenn ihr mal den einen oder anderen Posten räumen würdet. Denn, echtes Interesse entsteht immer durch Beteiligung und nur in den seltensten Fällen durch Zuschauen!

27.03.2011

Herr Westerwelle erklärt sich die Wahlschlappen seiner Partei mit dem Reaktorunglück in Japan. Wenn man ehrlich ist, dann muss man feststellen, dass dieser Komiker den Wähler für zu blöd hält, um die Arbeit einer ganzen Legislaturperiode zu beurteilen. Vielleicht sollte man diesem Stern am Abwrackhimmel mal erzählen, dass die sogenannten Wutbürger im Schwabenländle einfach nur festgestellt haben, dass die FDP in den letzten Jahren scheiß Politik betrieben hat. Auf so einen einfachen und schlichten Gedanken kommt der Herr Außenminister gar nicht. Nach seinem Weltbild wäre alles so geblieben wie es ist, wenn in Japan kein Tsunami das Atomkraftwerk zerlegt hätte. Ich dagegen glaube, dass die Schwaben insbesondere auf die Tatsache reagiert haben, dass ihre Proteste mit Füßen getreten wurden. Da gehen Menschen aus allen Bevölkerungsschichten monatelang auf die Straße und Berlin schließt man die Augen und tut so, als wäre nichts. Frau Kanzlerin merkt sogar noch dumm dreist an, dass die demokratischen Entscheidungen wohl kaum auf der Straße gefällt werden würden. Der werten Frau Kanzlerin müsste man mal mit dem Holzhammer eintrichtern, dass es genau diese Art von Demonstrationen waren, welche die Wende in der DDR herbeigeführt haben. Hätte es diese mutigen Bürger nicht gegeben, dann würde das Merkel heute noch als FDJ-Sekretärin hinter dem eisernen Vorhang herumlungern. Also bitte, beleidigt nicht ständig die Intelligenz der Bürger dieses Staates, sondern versucht endlich einmal das zu tun, für was ihr gewählt worden seid: Nämlich die Interessen des Volkes zu vertreten!

24.03.2011

Ich halte weiterhin mein Gewicht und das obwohl ich morgens wieder richtig schnuckelige Sachen esse. Was ich damit meine? Na Waffeln, Muffins, Nutella-Brote und solche Dinge. Die restliche Zeit bleibt es aber bei kohlenhydratarmer Kost.

Es gibt Dinge, die finde ich richtig lustig. Zum Beispiel, wenn ein FDP-Politiker fordert, dass sich die Stadtverwaltung mehr um den Branchenmix in der Innenstadt kümmern solle. Leider verkennt der Kollege, dass die kapitalistische Gesellschaftsordnung eine derartige Einmischung staatlicher Stellen überhaupt nicht vorsieht. Dabei sind es doch immer die Liberalen, die uns munter und fröhlich erklären, der Markt und die dazugehörigen freien Kräfte werden schon alles regeln. Wenn dem so ist und eine quasi staatliche Kontrolle als Kommunismus abgeurteilt wird, dann muss man sich schon die Frage gefallen lassen, warum man die Innenstadt nicht sich selbst überläßt. Der freie Markt, der freie Bürger, das freie Kapital wird schon entscheiden, wer letztlich überlebt. Es ist schon seltsam, dass FDP-Vertreter immer dann nach staatlicher Kontrolle und ordnungsrechtlichen Eingriffen schreien, wenn es ihrer Klientel an den Geldbeutel geht. Warum soll eine Behörde für einen ausgewogenen Branchenmix sorgen? Warum soll eine Verwaltung dafür verantwortlich zeichnen, dass auch junge Unternehmer durch niedrige Pachten eine Chance bekommen? Warum sollen steuerfinanzierte Beamte Möglichkeiten finden, damit geldgierige Eigentümer auch in schwierigsten wirtschaftlichen Zeiten fette Pachten einstreichen können? Diesen offensichtlichen Widerspruch nicht aufklären zu können, ist nur ein Fakt, warum man diese Partei nicht wählen kann. Es gibt keine andere Partei in diesem Land, die derart perfekt darin ist, immer einen anderen Schuldigen für das eigene Versagen zu finden.

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